Windows 10 – First Look

Auf in unbekannte Gefilde.

Auf in unbekannte Gefilde.

Heute habe ich es gewagt: das Update auf Windows 10.

Anders als die meisten Heimanwender war bei mir bisher Windows 8.1 Enterprise installiert, was mich nicht für das automatische Update qualifiziert.
Das Ausgangs-System:
Lenovo T430s mit 8 Gig RAM, Core i5 Prozessor mit 4 Kernen á 2.6 GHz und eine 256 GB SSD Samsung Pro. Installiert ist ein Windows 8.1 Enterprise. Das ganze an einer 100 MBit Internet-Leitung und mit Hilfe eines USB 2.0 Sticks.

Welche Größen müsste ihr einkalkulieren? 

Auf dem oben genannten System hat die komplette Prozedur inklusive Backup meiner Daten, Download, Installation und Grundanpassungen 2 Stunden in Anspruch genommen. Macht ihr die Installation über Windows Update dauert es länger, da ich das Paket aus dem Microsoft Developer Portal habe und hier mit Vollgas herunterladen kann (12 Minuten Download), während die Update-Server euch deutlich ausbremsen. 10 Gigabyte Plattenplatz sind drauf gegangen und ich benötigte einen USB Stick mit 4GB (gaaaanz knappes Höschen, sollte Microsoft noch ein paar Updates nachschießen, plant besser einen 8 Gig-Stick ein). Macht ihr mit Windows Home ein Update direkt aus Windows heraus, entfällt der Stick und der erste Schritt des Berichts.

Los geht’s

Die Windows 10 ISO muss im Falle von Enterprise mal erst auf einen USB Stick. Das geht auch im Jahre des Herrn 2015 immer noch am schnellsten mit dem Windows 7 USB Downloader.

Typisch Windows: Updates bevor es losgeht.

Typisch Windows: Updates bevor es losgeht.

Danach wird die Installation direkt aus Windows heraus vom Stick gestartet. Nach den üblichen Hinweisen und Lizenzfragen, will Windows bevor irgendetwas passiert, mal erst Updates runterladen. Hier ist Zeit für den ersten Kaffee: 10 Minuten dauerte diese Übung.

Nach dem zähen Download kickt euch der Setup dann ohne Vorwarnung aus der zu diesem Zeitpunkt noch laufenden Windows Sitzung. Also die Zeit nicht nutzen, um noch mal eben die Steuererklärung zu machen, das könnte ein jähes Ende nehmen.

Unspektakulär geht es dann weiter: ca 10 Minuten lang quält sich eine Prozentanzeige auf die 100 mit dem Hinweis: „Wird installiert“.

Upgrade tut "Dinge"

Upgrade tut „Dinge“

Ist die 100 erreicht, erfolgt ein ungefragter Neustart. Danach erwartet euch eine etwas liebevoller gestaltete Prozentanzeige, in der dann auch von einem Windows Upgrade die Rede ist. Während der ersten 25 Prozent erinnert die Grafikqualität noch etwas an den guten alten „Charme“ von Windows 95 (unscharf und pixelig). Nach 25% ist das kopieren der Dateien abgeschlossen und es erfolgt ein unvermittelter Neustart. Mitten im Neustart blieb mein Rechner für 2 Minuten mit schwarzem Bildschirm stehen, ohne das scheinbar irgendetwas passierte oder auch nur die Festplatte Aktivität zeigte. Als gerade die Nervosität in mir aufstieg, meldete sich der Prozess mit einem jetzt deutlich schärferen Bild und 30% Fortschritt zurück. Offensichtlich sind die 2 Minuten genutzt worden, um den Grafikkarten-Treiber zu installieren. Eine kurze Warnung wäre an dieser Stelle vielleicht nett gewesen. Bei 75% erfolgte ein weiterer Neustart, die letzten 25% vergingen wie im Fluge. Insgesamt sieht man ca. 20 Minuten lang den sich langsam füllenden Kreis.

Da ist es ja…

Der erste Boot dauerte ca. 1 Minute. Danach schlug mir Windows alle auf dem Rechner bekannten Benutzer vor.

Domänenlogin klappt auch beim ersten Mal ohne DC

Domänenlogin klappt auch beim ersten Mal ohne DC

Ein späterer Blick in das Ereignisprotokoll zeigt, dass er in dieser Zeit mit meinem Domänencontroller Kontakt aufnehmen wollte, den er aber nicht erreichte, weil ich nicht in der Firma war. Trotzdem konnte ich mich nach dem er aufgegeben hat, mit dem unter Windows 8.1 gecachtem Domänen-Login anmelden. Windows kommt jetzt noch mit den aus Windows 8 bereits bekannten Fragen, ob es den Standort verwenden darf, Infos nach Hause schicken darf usw.

Das Upgrade ist damit mal erst abgeschlossen. Windows 10 ist erfolgreich installiert, man befindet sich auf dem Desktop. Alle Icons und Dateien waren noch da, die installierten Programme waren auch noch an Ort und Stelle. Insgesamt waren vom Start bis hier hin 1,5 Stunden vergangen. Das Setup wirkt etwas lieblos gestaltet, tut aber was es soll. Leider bleibt die meiste Zeit dem technikverliebten Computereigentümer vollkommen schleierhaft, was Windows da jetzt gerade anstellt.

First Look…

Das erste gestartete Programm ist, klar: der Explorer. Hier macht sich mal erst Erleichterung breit: alle Dateien sind noch an Ort und Stelle. Die Bibliotheken hat Windows nach gut Dünken um ein paar Ordner erweitert.

Ohoh?

Ohoh?

Meine Netzlaufwerke finden sich jetzt plötzlich da und irgendwelche Unterordner aus meinen Dokumenten wurden ebenfalls ungefragt dort abgelegt.

Für eine kleine Sorgenfalte sorgt dann das zweite gestartete Programm. Outlook verkündet freudig, dass er zum ersten Mal gestartet wird. Nach dem der  Balken durch ist, präsentiert es sich aber in alter Schönheit. Alle Postfächer sind noch da, die Plugins laufen auch noch.

So weit so gut. Es folgt die Aktivierung von Windows. Heimanwender werden diesen Punkt wohl nicht zu Gesicht bekommen, da dies automatisch im Hintergrund passiert. Mein Enterprise hielt von meinem Produkt Key mal erst nur eins: Abstand. Zuerst meldete es, dass die automatisch Aktivierung fehlgeschlagen sei. Dann folgte eine Meldung, dass eine Aktivierung mit diesem Schlüssel nicht möglich sei und dann die Meldung, dass Windows nun erfolgreich aktiviert ist. Alle drei Meldungen hintereinander weg, ohne dass ich den Key neu eingegeben hätte oder sonst etwas angeklickt habe. Seitdem ist sich Windows auch sicher, dass es aktiviert ist. Wir verbuchen das mal unter Kinderkrankheiten.

Cortana

Die Topneuerung: Cortana.

Persönliche Assistentin betreibt Arbeitsverweigerung.

Persönliche Assistentin betreibt Arbeitsverweigerung.

Bei mir tut die persönliche Assistentin, die Microsoft bewirbt als das Top-Feature, mal erst exakt das, was man von einer Assistentin erwartet, die man an einem Sonntag zum ersten Arbeitstag antreten lässt: Sie verweigert die Arbeit. Auf die Frage, wie sie mich zukünftig nennen soll, fragt sie dann noch nach meinem Windows Live-Account. Nachdem ich den eingetragen habe, kommt die Meldung „Dadurch weiß ich besser, was ich mir über dich merken soll“. Und das war’s. Eine Viertelstunde lang habe ich die Meldung stehen lassen, in der Hoffnung, dass sie doch noch die Arbeit aufnimmt: negativ. Beendet man den Prozess, kommt wieder die Abfrage nach dem Live-Account und dann wieder die etwas geheimnisvolle Meldung.

Na gut, dann weiter ohne Assistentin. Ging ja auch die letzten 20 Jahre ohne…

Microsoft Edge

Als nächstes

Standesgemäß: Edge tritt das Erbe des IE an und beginnt den Dienst mit schweren Ausnahmefehlern

Standesgemäß: Edge tritt das Erbe des IE an und beginnt den Dienst mit schweren Ausnahmefehlern

zog natürlich der neue Browser meine Aufmerksamkeit auf sich. Edge. Von dem angeblichen Geschwindigkeitswunder ist leider wenig zu spüren. Sicherlich ist das Teil ne ganze Schüppe schneller als der Internet Explorer, der Chrome hat allerdings keine Konkurrenz zu fürchten. Wie es sich für die erste Version eines Browsers gehört, führt der erste Download auch direkt dazu, dass das Antimaleware-Service-Executable (integrierte Antiviren Engine) für satte 10 Minuten den Prozessor komplett auslastet, verhindert dass ich den Download öffne und Edge sich mit einem schweren Ausnahmefehler ins Nirwana verabschiedet. Die vollständige Abwesenheit von Plugins erinnert außerdem schmerzlich daran, welche unerträglichen Werbegräber Facebook und Spiegel Online sind, wenn man ohne ADBlock-Plus unterwegs ist. Wenn ich herzlich bin, war mein geliebter Chrome schon aus Stilgründen nie in Gefahr abgelöst zu werden. Das Ergebnis ist also wie erwartet.

Und sonst so?

Insgesamt wirkt Windows etwas moderner und aufgeräumter als seine Vorgänger. Es scheint im Schnitt etwas schneller zu reagieren, dafür sind die Animationen langsamer und theatralischer.

One-Click Funktionen

One-Click Funktionen

Die neue Systemsteuerung wird vor allem bei Admins für den ein oder anderer Fluch sorgen. Das neue Mitteilungs-Center hat offenbar einiges von Handys gelernt und macht die (De-)Aktivierung von WLAN, Bluetooth und Tönen mit einem Klick verfügbar. Tasten wie Notiz oder Tabletmodus lassen sich auch selbst mit neuen Funktionen belegen. Ein paar Kinderkrankheiten scheinen hier noch zu stecken. So wurde mir zum Beispiel spontan angezeigt, dass der Flugmodus aktiv wäre, obwohl das WLAN noch lief. Die Unterscheidung zwischen aktiviert und deaktiviert zeigt sich nur in der Grau-Schattierung, was nicht immer so richtig übersichtlich ist.

Kinderkrankheiten

Kinderkrankheiten

Hier und da offenbart das neue System noch ein paar Kinderkrankheiten, wenn z.B. in der Auswahl des Hintergrundbildes, selbiges in der Windowsmenü überlappt, Cortana ihr gewerkschaftlich zugesicherten Rechte wahrnimmt und Sonntags den Dienst verweigert oder die Windows Aktivierung an gespaltener Persönlichkeit leidet. Alles in allem läuft das System aber beeindruckend stabil für den frühen Zeitpunkt in seinem Lebenszyklus und auch unter der Haube (Windows Ereignisprotokoll) lassen sich keine schwerwiegende Fehler erkennen. Wer ein wenig experimentierfreudig ist und Windows 10 unbedingt ausprobieren will, kann also den Schritt ruhig wagen. Die von Microsoft als Bahnbrechend angekündigten Neuerungen, bleiben allerdings aus.

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