Datenschutz vs. Komfort

Die Datensammelwut von Unternehmen bringt im Kontext von Windows 10, iPhones und Facebook immer mehr Datenschützer gegen sich auf. Aber was bringt es den Unternehmen und uns? Wo sortiert man selbst ein auf der Skala zwischen gläsernem Bürger und Alu-Hut-Träger?

Wie funktioniert das Datensammeln?

Zunehmend mehr unserer Geräte oder Software haben eine Weltweit einmalige ID, die uns eindeutig identifizierbar machen. Daraus ergibt sich eine Art digitaler Fingabdruck. Euer Handy hat eine eindeutige ID, euer Browser hat eine und wenn wir euch von beiden bei eurem Facebook-Konto angemeldet habt, sind diese auch schon mit einander verbunden. Sucht ihr jetzt etwas auf Google, verbindet Google die Suchbegriff mit eurer Browser-ID und vielleicht eurem Google+ oder Youtube-Account. Weiter sieht Google eure Browser-ID, wenn ihr auf Seiten kommt, die Werbung von Google einblenden oder die Analysetools von Google nutzen (was sehr viele tun) und kann so ein „Bewegungsprofil“ und natürlich ein Profil über eure Vorlieben anlegen.

Was habt bringt euch das?

Dadurch, dass die Unternehmen ein detailliertes Profil eurer Interessen und Vorlieben haben, kann z.B. Google vorhersagen, dass mich bei der Suche von Fussball-Ergebnissen, die Ergebnisse des BVB mehr interessieren, als einen VfL Bochum Fan, und sortiert die nach oben. Auch die Wahrscheinlichkeit, dass ich mir Werbung über Bergsteigerzubehör ansehen muss, tendiert gegen Null. Die Tatsache, dass auch meine Geolocation mit gespeichert wird, senkt die Wahrscheinlichkeit, dass ich jemals vom sehr guten Zahnarzt in Schwerin erfahre, mir aber die besten Zahnärzte in Düsseldorf präsentiert werden, die mich ja auch – ehrlich gesagt – viel mehr interessieren.

Was bringt das den Unternehmen?

Wenn Google festgestellt hat, dass ich in letzter Zeit öfter nach Gebrauchtwagen gesucht habe, wird es annehmen, dass ich mir einen zulegen will und platziert entsprechende Werbung auf Seiten, die ich besuche. Ein Gebrauchtwagenportal zahlt natürlich erheblich mehr Geld für eine Werbeplatzierung, bei jemandem, der auch wirklich einen kaufen will, als bei einem, der überhaupt keinen Gedanken an Autos verschwendet. Google verdient mehr Geld, weil sie Werbung präzisier platzieren kann, der Gebrauchtwagenmarkt muss kein Geld für „Streuverluste“ ausgeben, weil sie nicht – wie in der Zeitung – auch für die Oma bezahlen müssen, die gar keinen Führerschein hat.

Was ist die Gefahr?

Zum einen wird mir wahrscheinlicher bei einer Suche das Ergebnis eines Unternehmens gezeigt, das besser zahlt anstatt dessen, das besser passt. Zum anderen werde ich potentiell in meinen Überzeugungen bestärkt. Wer sich regelmäßig mit dem Kopp-Verlag und anderen Verschwörungstheoretikern beschäftigt, bekommt auch bei kritischer Suche bevorzugt Ergebnisse von anderen Seiten, die glauben, dass Chemtrails uns ganz sicher alle töten werden und Handymasten der Gedankenkontrolle dienen.
Zum zweiten existieren diese Datenbanken ganz einfach. Wie weit unser Vertrauen geht, dass Google diese Daten gescheit schützt, muss jeder selbst entscheiden. Natürlich gibt es die Möglichkeit, dass diese Daten von einem Hacker erbeutet werden und ihr z.B. mit euren regelmäßigen Suchen nach … öhm … Videos mit gewissen Vorlieben … erpresst werdet. Sieht man den jüngsten Skandal um das digital-bestohlene Seitensprungportal, ist diese Überlegung gar nicht so theoretisch.
Das geht natürlich auch etwas weniger drastisch. Wart ihr oft genug auf „speziellen Seiten“, wird Google irgendwann diese in den Suchergebnissen bevorzugen, was natürlich zu interessanten Gesprächen führen kann, wenn eure Lebensgefährtin euch gerade über die Schulter schauen, während auf einer eigentlich harmlosen Seite wie Spiegel Online die ganze Zeit Werbung für Seitensprünge eingeblendet wird und sie da die ganze Zeit nur Werbung für Handtaschen hat.
Zu letzt wissen wir nicht zuletzt dank Snowden, dass Regierungen sehr wohl auch heute schon Zugriff auf diese Datenbanken haben. Ob euer regelmäßiges Interesse für den NSU-Prozess während einer allgemeinen Ermittlung, den Verdacht erzeugen könnten, dass ihr im rechten Spektrum unterwegs seid, obwohl ihr eigentlich viel mehr am Akkreditierungsvorgang der Bajuwaren interessiert wart, lässt sich nicht komplett in das Reich der Phantasie verschieben, auch wenn es für den Durchschnittsbürger ehr ein unwahrscheinliches Szenario ist.

Die Konsequenz?

Wo im Spektrum zwischen gläsernem Bürger und Aluhut-Träger ihr euch einsortiert, muss jeder selbst entscheiden. Die meisten Browser bieten die Funktion des anonymen Surfens. Hierbei wird dann tatsächlich die Browser-ID nicht übertragen und wenn ihr euch im anonymen Modus nicht bei Facebook, Amazon oder Google anmeldet, ist euer Verhalten im Netz in dieser Zeit auch nicht nachvollziehbar. Wenn ihr also Dinge im Netz tut, die ihr nicht unbedingt eurer Mutter mitteilen würdet, empfiehlt es sich, diese im anonymen Modus zu tun, auch unabhängig davon, ob es für euch OK ist, wenn euer Lebensgefährte / eure Lebensgefährtin die Seiten in eurer Chronik entdecken. Um die für euch optimierten Ergebnisse nicht zu „verwirren“, gilt gleiches, wenn ihr Dinge recherchieren wollt, die eigentlich nichts mit euch zu tun haben, weil ihr z.B. für einen Freund gerade die optimalen Dicke von Hufeisen für Turnierpferde sucht, obwohl ihr nichts mit Reitsport am Hut habt. Habt ihr tatsächlich 2 „Identitäten“, weil ihr auf der Arbeit euch regelmäßig mit Sachthemen beschäftigen müsst, die euch privat nicht interessieren, lohnt es sich auch 2 strikt getrennte Identitäten in euren Geräten zu führen. Dann sollten aber auch über Kreuz geführte Suchen im anonymen Modus passiert. Wollte ihr also in der Firma kurz privat etwas auf Ebay kaufen, aktiviert dafür den anonymen Modus.

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